“Die Lange Nacht der Musen und Museen” in Augsburg – Ein Musenkuss zum Kunstgenuss
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Ohne sie wären unsere Museen öde, die Kunst nur ein Mittel der Macht – es blieben zu viele Augen trocken und die Schönheit Abstraktion… Seit die Menschheit malen, dichten oder komponieren kann, machen die Musen die Künstler für uns zu ihrem Medium und die Nacht zum Tag. So auch am 14. Juni 2008, wenn Augsburg den Musen seine Lange Kunstnacht widmet und alle Bühnen, Museen, Kirchen und Konzertsäle, Hinterhöfe und Cafés, Straßen und Plätze für die Göttinnen der Inspiration öffnet und der unwiderstehlichen Ausstrahlung der Musen freien Lauf lässt. An mehr als 30 Spielorten in der prachtvollen Augsburger Innenstadt darf man an diesem langen Abend auf einen Musenkuss hoffen – einen zarten, bunten, schrillen, wilden oder visionären…
Künstlerinnen und Künstler aus Augsburg, Interpretinnen aus aller Welt – Frankreich, Spanien, Sardinien und Madagaskar – tragen mit rund hundert musikalischen und literarischen Programmen vom Orchesterkonzert bis zur großen Open Air-Performance zur diesjährigen Langen Kunstnacht in Augsburg bei. Eröffnet wird die Nacht der Musen im prachtvollen Goldenen Saal des Augsburger Rathauses mit Igor Strawinskys Ballettmusik “Apollon musagète”, dem Kernthema des Abends: Apoll, Lenker des Sonnenwagens, unterbricht seine Arbeit für einen inspirierenden Tanz mit den Musen, den Göttinnen der schönen Künste.
Auf welch hinreißende Musik müsste die Nachwelt verzichten, hätten nicht real existierende Musen ihren Einfluss auf die großen Komponisten ihrer Zeit geltend gemacht. Zeugnis hierfür geben Werke von Wolfgang Amadé Mozart, Robert Schumann und Richard Wagner. Das Spektrum reicht von großen Opernarien bis zu “sinnlichem Liedgut”, Schlagern und Chansons des 20. und 21. Jahrhundert, die heiß verehrten Interpretinnen “auf den Leib” geschrieben wurden. Die Lange Nacht der Musen präsentiert zudem zahlreiche Komponistinnen und Virtuosinnen, die in ihrer Schöpfungskraft nicht lange den Umweg über ein männliches Medium nahmen – angefangen bei Hildegard von Bingen, die als erste Frau ihre Kompositionen niederschrieb, über Mozarts “Rivalinnen” Marianna Martines und Josepha von Auernhammer, von Clara Schumann bis zu Lydia Daher, Shooting-Star der Gegenwart, die in Augsburg lebt.
Auch traditionelle Frauendomänen der Musik sind in der Augsburger Musennacht mit starker Stimme vertreten: Die “Actores Alidos” präsentieren vielstimmige Wiegenlieder aus Sardinien. Von geheimnisvollen Mythen und Sagen aus Madagaskar singen die drei Schwestern der Gruppe “Tiharea”. Die Kirchen der Innenstadt werden erfüllt von marianischen Gesängen mit tausendjähriger Geschichte und Chorgesängen aus Frauenhand vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Die Kunstsammlungen und Museen, ureigene Tempel der Musen, widmen ihr Führungsprogramm der Anschauung von Frauenbildern von der Antike bis zu Barock und Rokoko – und Bildern, die von Frauen geschaffen wurden. Große Schöpfungen von weiblichem Geist und aus weiblicher Hand, mit weiblichen Linien und überaus sinnlicher Macht gibt es zuhauf zu bestaunen. Über die nackte Betrachtung des Weiblichen in der Kunst hinaus trifft man in der Nacht der Musen auch Beispiele besonders effektvoller Verhüllung an. “Haute Couture” im wahren Wortsinn inszenieren kunstvoll gekleidete Damen, die außergewöhnliche Modeschöpfungen auf Stelzen in den Straßen Augsburgs zur Schau tragen. Die prickelnde Spannung zwischen Muse und Mann fangen surreale Tanztheater, lebendige Sinnbilder von “El bosque de Marcela” im Garten des Augsburger Fronhofs, eine wild entflammte Arien-Schau und leidenschaftliche Tango-Tänzer in eindrucksvollen Körper-Bildern ein.
Angesichts dieser Auswahl an Programmen liegt nahe, dass auch das Inspirations-Potenzial von Augsburgerinnen genau ergründet wird. Im Mittelpunkt des literarischen Programms und zahlreicher Führungen stehen Damen, die mit der Stadtgeschichte eng verbunden sind – unter ihnen die Heilige Afra, die Frauen der Familie Fugger, die Musen von Brecht und die berühmteste Cousine der Welt, Mozarts Augsburger “Bäsle”. Auch Maria Ward, Marie Antoinette, Agnes Bernauer und viele andere Besucherinnen und Bürgerinnen haben sichtbare Spuren in Augsburg hinterlassen, denen man bis spät in die Nacht folgen kann. Dazwischen locken viele “Musenhöfe” in der Augsburger Altstadt mit einem umfangreichen Musikprogramm zum Verweilen.
Das große Open Air Finale um Mitternacht findet wie immer auf dem Augsburger Rathausplatz statt.
Die Gruppe “Tréteaux du Coeur Volant” aus Frankreich wurde geladen, die Lange Nacht der Musen mit einem artistisch-akrobatischen Schöpfungsakt aus gigantischen Kokons zu beenden. Wer dann der Musenküsse noch nicht genug genossen hat, ist zum Chill Out im Capitol geladen. DJanes und VJanes lassen den Abend mit Dancebeats und Videotracks nach dem Motto “let’s get a-muse-d!” bis zum frühen Morgen ausklingen.
Alle Veranstaltungen der Langen Nacht der Musen und Museen können mit einem einzigen Ticket besucht werden (Vorverkauf: € 10, ermäßigt € 8 / Abendkasse: € 12, ermäßigt € 10; für das Eröffnungskonzert ist ein Zusatzticket für € 2 erforderlich). Tickets und Programmhefte zu dem umfangreichen Programm gibt es ab 8. Mai 2007 bei den Ticketshops der Augsburger Museen, dem AZ Kartenservice RT.1 und beim Theater Augsburg (Tel.: 0821-324 4900).
Detaillierte Informationen ab 8. Mai 2007 auch im Internet unter www.langekunstnacht.de
Horst Thieme am 15. 05. 2008