2 Kommentare

  1. Tommy 25. 07. 2010 @ 5:37 pm

    kein Kommentar eher eine frage!
    was rauchten römer und vor allem wie rauchten römer im ersten jahrhundert nach chr.?

    hoffe ihr habt ne antwort!?!?

    gruß tommy

  2. Michael Friedrichs 27. 07. 2010 @ 10:09 am

    Lieber Tommy, ich habe die Ausstellungsmacherin um Erläuterung gebeten, hier ist sie:
    ——-
    Lieber Tommy,

    selbstverständlich haben wir eine Antwort: Die Römer, weder die des 1. Jahrhunderts noch die der anderen Jahrhunderte, haben überhaupt nicht geraucht. Dass eine Ausstellung zu Tabakspfeifen im Römischen Museum Augsburg stattgefunden hat, hat einfach damit zu tun, dass zum Römischen Museum auch die Augsburger Stadtarchäologie gehört, deren Tätigkeitsfeld sich nicht auf die römische Zeit beschränkt, sondern die sich eben auch mal mit den Tabakspfeifenfunden aus neuzeitlichen Schichten beschäftigt.

    Dennoch hat man sich über die Frage, ob Römer oder Kelten geraucht haben, besonders intensiv in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis etwa um 1914/15, teilweise auch noch bis in die 1920er Jahre hinein, heftig auseinandergesetzt. Vor allem bei Schweizer Gelehrten war das ein vieldiskutiertes Thema, weil man dort bei Ausgrabungen in Gräberfeldern und Siedlungen immer wieder auch neuzeitliche Ton- und Metallpfeifen fand. Da man diese Funde nicht richtig einordnen konnte, datierte man sie entsprechend des Fundplatzes vorgeschichtlich oder römisch. Die Tatsache, dass Römer, Kelten und Germanen Pfeife geraucht haben, fand sogar Eingang in verschiedene Lexika. Nicht ganz klären konnten die Forscher damals die Frage, was geraucht wurde. Da es kaum einen Zweifel daran gab, dass der Tabak mit Columbus aus der Neuen Welt gekommen war, tippte man auf aromatische Pflanzen, Hanf oder Ähnliches.

    Die damalige Auseinandersetzung verlief aus heutiger Sicht bisweilen recht kurios, und falls Sie dieses Thema näher interessiert, kann ich Ihnen gerne weiterführende Literaturhinweise liefern.

    Viele Grüße
    Michaela Hermann
    Römisches Museum/Stadtarchäologie Augsburg
    ***************************************

Fundsache Pfeifenköpfe: im Römischen Museum bis Ende Juni

Allgemein, Bildende Kunst, Museum, Überregional Kommentare (2)

Das Römische Museum zeigt eine Studioausstellung vom 24. April bis 28. Juni 2009. Sie streift die Kulturgeschichte des Tabaks ebenso wie die Auseinandersetzungen über den Tabakkonsum im 17. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht dabei die Tabakspfeife, die nicht nur für Neuzeitarchäologen ein hochinformativer Gegenstand ist.

Pfeifenköpfe, gefunden in Augsburg

Pfeifenköpfe, gefunden in Augsburg

Sie ist ein wichtiges Verbindungsstück zwischen Archäologie, Ethnologie, Kultur-, Handwerks- und Drogengeschichte. Tabakspfeifen wurden im 17. Jahrhundert in großen Mengen hergestellt und nach Abnutzung oder Beschädigung weggeworfen. So findet man sie in fast jeder Siedlungsschicht aus diesem Zeitraum. Aussehen und Verzierungen der massenhaft hergestellten Pfeifen änderten sich oft sehr schnell, und die Marken und Namensstempel auf den Pfeifen geben oft Auskunft über ihre Herkunft. Die meisten der in Augsburg gefundenen Pfeifen wurden aus Holland importiert, wo sich besonders die Stadt Gouda zum weltweit führenden Zentrum der Pfeifenindustrie entwickelt hatte. Später gelangten vor allem Produkte der Pfeifenbäcker aus dem Westerwald nach Augsburg.

Auf nahezu jeder Ausgrabung in der Stadt findet man Tabakspfeifen aus Ton. Sie zeugen von einer neuen Sitte, die sich im 17. Jahrhundert vor allem durch die Soldaten des Dreißigjährigen Kriegs in ganz Europa ausbreitete. Zum „Tabak trinken“, wie das Rauchen im damaligen Sprachgebrauch hieß, brauchte man eine Pfeife, die in aller Regel aus Ton hergestellt war.

Im Jahr 2005 fanden Augsburger Stadtarchäologen am Jakobsplatz unter großen Mengen der weggeworfenen Stücke sehr wertvolle Reliefpfeifen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sind schon die Pfeifen mit dem Wappen des Königreichs Preußen für eine Stadt wie Augsburg  außergewöhnlich, so sind Pfeifen mit den Porträts von Mitgliedern des niederländischen Fürstenhauses Oranien eine absolute Seltenheit.

Mit der Benutzung dieser Pfeifen brachten Raucher in den Niederlanden ein eindeutiges politisches Bekenntnis für dieses Fürstenhaus zum Ausdruck, das in der schwäbischen Reichstadt Augsburg mehr als ungewöhnlich war. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft zum Preis von 2 Euro.

350 Jahre blauer Dunst in Augsburg. Tabakspfeifen aus archäologischen Ausgrabungen

Römisches Museum, Dominikanergasse 15

Dienstag: 10 bis 20 Uhr

Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr

Michael Friedrichs am 17. 04. 2009

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