Irgendwie überleben …
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Annegret Lamey stellte den Lebensbericht zweier Russlanddeutscher im Haus St. Ulrich vor
Eine ungewöhnliche Buchvorstellung gab es am 30. Januar im Haus St. Ulrich. Es hatten sich mehr als 50 Russlanddeutsche eingefunden, um die Lebenserinnerungen zweier Leidensgenossen kennenzulernen, die Annegret Lamey im Wißner-Verlag herausgegeben hat.
Mitveranstalter waren Juri Heiser, Vorsitzender der Landsmannschaft der Russlanddeutschen in Augsburg, und Ida Hosmann, Referentin für pastorale Betreuung kath. Spätaussiedler im Seelsorgeamt der Diözese. Sie wurde tatkräftig unterstützt von Edeltraud Wohlfarth, ohne deren freundliche Beharrlichkeit die Veranstaltung nicht zustande gekommen wäre.
Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl führte in die Geschichte der Russlanddeutschen und die Rahmenumstände des Buches ein. Anschließend las Annegret Lamey aus dem Buch „Irgendwie überleben … Von Sibirien nach Deutschland“.
Frau Lamey hat bereits zwei sehr persönliche Bücher herausgebracht, eins zur Rolle ihres Vaters im Nationalsozialismus, eins zu den Erfahrungen ihrer Großmutter am Stetten-Gymnasium. Sie hat dann durch Nachbarschaftskontakte die Geschichte eines deutschrussischen Ehepaares kennen gelernt, das sehr bewegend ist. Sie hat sich dann – in gleicher Weise motiviert durch Freundschaft und literarischen Ansporn – dieser Geschichte angenommen, sie sprachlich überarbeitet und für die Veröffentlichung vorbereitet.
Der Wißner-Verlag entschied sich dafür, den russischen und den deutschen Text parallel zu drucken, um jenen Lesern entgegenzukommen, die in der einen Sprache mehr zu Hause sind als in der anderen. Und der Verlag hofft, durch die Kontakte mit den Russlanddeutschen die potentiellen Leser des Buches zu erreichen. Die Russlanddeutschen ihrerseits freuen sich darüber, dass ihren Lebenserfahrungen hier die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zuteil wird.
Im Mittelpunkt des Buches steht das erschütternde Schicksal eines Ehepaares, einer Wolgadeutschen und eines Ukrainers, die von den Sowjets nach Sibirien verschleppt, von ihren engsten Familienangehörigen getrennt und jahrzehntelang in Arbeitslagern festgehalten und gequält worden sind. Nachdem ihnen in den 70er Jahren endlich die Ausreise nach Deutschland genehmigt worden ist, haben sie ihre Lebensgeschichte einer Freundin diktiert.
Die Teilnehmer folgten der Lesung sehr aufmerksam, viele bestätigten den Wahrheitsgehalt aus eigener Erfahrung.
Die Buchvorstellung wurde abgerundet durch drei Lieder, vorgetragen vom Chor „Heimatmelodie“ der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Leitung Alena Heiser), der mit einem großen Teil seiner Mitglieder an der Veranstaltung teilgenommen hatte.
Michael Friedrichs am 1. 02. 2008