Kunst unter Strom
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LAB30 – das 7. Augsburger KunstLabor (13. – 15.11.2008)
In der internationalen Medienkunstszene hat Augsburg längst einen Namen: Vom 13. bis 15. November 2008 verwandelt sich das Augsburger Kulturhaus abraxas mit dem Medienkunstlabor lab30 immerhin schon zum siebten Mal in ein Elektronik-Kunstlabor, in dem Medien- und Installationskünstler, Soundelektroniker und digital Artists aus aller Welt ihre Kreativität unter Beweis stellen. Sie tun dies in einer Ausstellung, Live- und Club Acts und setzen dabei unglaubliche Konstruktionswunder, extreme Denkmuster, Stilikonen der digitalen Epoche und ihr Publikum unter Strom.
Für die Festivalbesucher ist lab30 wie immer eine Einladung zu „plug & play“ im großen Stil, worauf man sich mit allen Sinnen, mit Körpereinsatz und Feierlaune einlassen darf. Eine bizarre Welt von Geräuschen, Zeichen, virtuellen Räumen und ein Festival für Nerds und Nachtlichter: Die lab30-Ausstellung öffnet täglich von 20 Uhr bis Mitternacht und in diesem Jahr zudem erstmals auch am Samstagnachmittag. Sie wird begleitet von Live Acts, Konzerten und Kurzfilmen und vollzieht den nahtlosen „shift“ zum Lab Club mit Sound- und Elektro-Acts bis zum frühen Morgen. Wie im vergangenen Jahr wird einer der Festivalbeiträge aus der Ausstellung mit dem „lab30 Award“ prämiert.
Die Ausstellung mit 18 Exponaten der europäischen Medienkunstlandschaft präsentiert sich als experimentelles Netzwerk und offenes System von interaktiven, intergalaktischen Klang- und Bildmodulen. Hier geht es um irritierende, verblüffende und humorvolle Reflexionen zu einer Realität, die immer mehr von Technik gestaltet und beeinflusst wird. Die Künstler hinterfragen, zerlegen, montieren und programmieren gängige Denk- und Wahrnehmungsmuster um und entheben sie ihrer Eindimensionalität.
So zum Beispiel die „Schüchternen Lichter“, die von ihrer Schöpferin mit Schwarmintelligenz ausgestattet wurden; oder „Pongmechanik“, das Revival eines Computerspiel-Klassiker in rein mechanischer Umsetzung; und eine „Struckmachine“, die per Kreditkarte Strickmuster entwirft. Eine Installation mit Tonbandgeräten führt „Schalljahre²“ als mögliche neue Maß- einheit ein; der „Vanity Ring“ googelt Ausstellungsbesucher aus; ein Kopiergerät wird zum Filmproduzenten; die „Standard Time“ wird in hölzerner Digitalanzeige übermittelt; magnetische Kräfte zeigen sich in „Connect“ in ihrer Bindungskraft so unberechenbar wie menschliche Gefühle; in „Piu Piu!“ darf man mit Schrei-Eingaben und vollem Körpereinsatz versuchen, die Steuerung zu übernehmen, bevor man zur Entspannung komplett in eine „Klangkapsel“ eintaucht. Das Kuratorenteam um Projektleiterin Elke Seidel (Kulturbüro Augsburg) stellte mit der Ausstellung wieder einmal einen digitalen Erlebnispark voller Überraschungen mit verblüffenden, analogen Inseln zusammen. Eines der Kunstwerke wird von einer mit Design-Studenten besetzten Jury mit dem lab30 Award 2008 gekürt.
Zu den Highlights im Konzertprogramm des lab30 Festivals zählen zwei Starformationen der internationalen Festivalszene: Das „Modified Toy Orchestra“ aus Großbritannien spielt ausschließlich auf „modifiziertem“ Kinderspielzeug, von der Barbiepuppe bis zu knallbunten Miniaturgeräuschcomputern. Das Orchestra hat bereits ein ganzes elektronisches Album auf diese Weise, ohne Midi, Sampling, Synthesizer oder Labtops, produziert. Ebenso effektvoll rasen die „Vinyl Killer“ der niederländischen Gruppe „Staalplaat Soundsystem“ in deren Installation „Yokomono“ über alte Schallplatten und übertragen per Radiosender alle möglichen Sounds auf im Raum verteilte Radios.
Erstmals besteht die Möglichkeit, auch am Samstagnachmittag die Ausstellung zu besuchen, die durchaus auch für Kinder geeignet ist: Alle Kurzfilmmodule werden außerdem an diesem Nachmittag en suite zu sehen sein – ein Eintauchen ist jederzeit möglich. Für alle, die Technik einfach einmal selbst in die Hand nehmen wollen, bietet Niklas Roy (Berlin) einen Workshop an. Die virtuelle Welt der Computerspiele kann mittels mechanischer Technik und Materialien des Alltags wieder in unserer realen Welt umgesetzt werden.
Nach dem Live-Act ist vor dem Club: Die lab30 Clubnächte präsentieren in allen drei Festival-Nächten die Stars der elektronischen Independent-Szene. WebSounds aus dem virtuellen Orbit, handgespielte Songstrukturen, ausgeklügelte Soundscapes und digital animierte Tracks zwischen DJing, Computer-Live-Performance und analogem Showcase stehen für good vibes bis zum Morgengrauen.
MedienkunstLabor Lab30 (13. – 15. November 2008)
Kulturhaus abraxas, Sommestr. 30, 86156 Augsburg
Öffnungszeiten: Ausstellung und Konzerte Do - Sa 20 – 24 Uhr,
Ausstellung und Kurzfilme Sa 15 – 19 Uhr
Clubnächte: Do ab 22 Uhr, Fr im abraxas Nordflügel + Sa in der Kantine ab 23 Uhr
Eintritt (nur Abendkasse): abends € 10/erm. € 8 // Samstagnachmittag € 6/erm. € 4 // Workshop € 5 // Clubnacht in der Kantine € 5 // 3-Tagesticket: € 24/€ 20
Info Kulturbüro, Elke Seidel, Tel. 0821-324 3253 oder
Junges Theater Augsburg, Peter Bommas, Tel. 0800-444 2995
 Das Festivalprogramm im Internet unter www.lab30.de
Â
- “Modified Toy Orchestra”
- Yokomono von “Staalplaat Soundsystem”
- Die “Standard Time” in analog animierter Digitaloptik
Ursula Dietmair am 22. 10. 2008


