Kunstverein Augsburg zeigt Thomas Feuerstein: “Daimon”
Allgemein, Bildende Kunst Kommentar (0)
Ausstellungen des Österreichers Thomas Feuerstein sind laborartige Versuchsanordnungen, die Fäden der Wirklichkeit aufnehmen und in Geschichten verstricken. Seine Arbeiten und Projekte realisieren sich in unterschiedlichen Medien und umfassen Installationen, eichnungen, Skulpturen, Fotografien, Hörspiele und Netzkunst. Das Zusammenspiel sprachlicher und visueller Elemente, das Aufspüren latenter Verknüpfungen zwischen Fakten und Fiktionen sowie die Verschränkung zwischen Kunst und Wissenschaft sind wesentliche Aspekte seiner Vorgehensweise. Nun zeigt der Augsburger Kunstverein vom Sonntag, 25. Januar bis zum 08. März 2009 Feuerstein mit “Daimon”.
Mit “Dämonen” beschwört Thomas Feuerstein keine religiösen oder esoterischen Traditionen, sondern verfolgt Spuren, die von der griechischen Philosophie über die Physik (Laplace’scher Dämon, Maxwell’scher Dämon) bis hin zu Computersystemen reichen. War der “Daimon” bei den Griechen ein Zu- und Verteiler des Schicksals, mutieren Dämonen heute zu Prozessen, die autonom im Hintergrund digitaler Systeme und Netze operieren und uns nur gelegentlich bei Unzustellbarkeit einer elektronischen Nachricht als “Mailer-Daemon” begegnen. Gegenwärtig erfahren Kulturen eine umfangreiche Dämonisierung im Bereich elektronischer und sozialer Überwachungs- und Steuerungstechnologien. Der zentrale Knoten der Ausstellung ist die Installation „Daimon“, die auf der Vernetzung von Materialitäten mit systemischen Prozessen beruht und die Trennung zwischen Sprache und Dingen, Information und Materie verwischt.
Thomas Feuerstein entwickelte die künstlerische Methode der „Konzeptuellen Narration“. Seit Ende der 1980er Jahre setzt er sich mit algorithmischer Kunst auseinander. Ab Anfang der 1990er Jahre entstanden erste Netzinstallationen, die die ökonomischen und massenmedialen Konstruktionsbedingungen von Wirklichkeit thematisieren.
Der Künstler wurde 1968 in Innsbruck geboren. Nach dem Studium von Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck war er als Mitherausgeber der Zeitschrift Medien.Kunst.Passagen publizistisch tätig und gründete das Büro für intermedialen Kommunikationstransfer und den Kunstverein medien.kunst.tirol. Seit 1997 übernahm Feuerstein Lehraufträge und Gastprofessuren an der Universität für angewandte Kunst Wien, der Hochschule für Musik und Theater Bern, der F+F Schule für Kunst und Mediendesign Zürich, der Fachhochschule Vorarlberg Studiengang Intermedia, dem Mozarteum Salzburg und an der Universität Innsbruck. Thomas Feuerstein lebt und arbeitet in Wien.
Kunstverein Augsburg e.V. (Holbeinhaus, Vorderer Lech 20, 86150 Augsburg): Di – So: 11 – 17 Uhr; Eintritt frei
Horst Thieme am 16. 01. 2009