Läden und Leute damals und heute
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Wie viele Dinge, so hat auch der kleine Laden in Augsburg eine große Geschichte. Sie wurde in mehreren Denkmälern und Gemälden für die Nachwelt, also für uns, festgehalten, man erinnert sich:
- Da gibt es den römischen Weinhändler mit seinen Fässern, seinem Ochsenkarren und seinem treuen Hund, der hoffentlich nicht alkoholabhängig ist– die Augsburger haben seit jeher das Problem, gern Wein zu trinken, aber ihn an den Ufern von Lech und Wertach nicht anbauen zu können. Der Weinhändler muss also immer auch um die Logistik bemüht sein, was dieses Grabmal in vorbildlicher Weise ins Gedächtnis ruft.
- Dann haben wir natürlich aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges den unvergänglichen Schtoinerne Ma, den berühmten Bäckermeister Konrad Hacker. Er demoralisierte der Sage nach die kaiserlichen Belagerer durch das Vorzeigen von Brot über der Stadtmauer so sehr, dass sie die Belagerung frustriert abbrachen. Auch heute noch gibt es in Augsburg Brote, die nach kurzer Zeit hart wie Stein sind. Das Rezept scheint sich also erhalten zu haben.
- Größer eingestiegen in den Handel mit Rohstoffen und auch Wertpapieren war bekanntlich bereits Jakob Fugger, dessen Goldkäppchen so bemerkenswert war, dass Dürer ihn unbedingt porträtieren wollte. Fugger hat auch viel gestiftet, Sie wissen es, die Fuggerkapelle in St. Anna, die Fuggerei, und sogar ein Verb für die deutsche Sprache – seit damals hat im Prinzip jeder im Deutschen das Recht zu fuggern – in der schnöden Wirklichkeit fehlt es den meisten von uns leider am nötigen Betriebskapital.
- Eine Handwerkerskulptur besonderer Art aus dem 20. Jahrhundert, sehr verhalten in der Gestik und dennoch oft Angriffen ausgesetzt, obwohl der dargestellte Pokal gar nicht aus Gold ist, ist das Denkmal eines Goldschmieds vor der Annakirche. Kunst im öffentlichen Raum ist offenbar ein schwieriges Thema schon lange vor der Aphrodite – oder sollte es daran liegen, dass dies die einzige Möglichkeit für Fußballfans in Augsburg ist, mal die Hand an den Pokal zu kriegen?
- Aus dem Bereich der Musik haben wir Johann Andreas Stein und seine Kunst des Hammerklaviers und des Orgelbaus. Er ist durch ein Porträt verewigt, das im Mozarthaus hängt. Seit Johann Andreas Stein achtet man in Augsburg bei Anschlägen aller Art auf den guten Ton.
- Eine Buchbinderstochter ist kürzlich ebenfalls mit einem kleinen Denkmal geehrt worden, mit einer Gedenktafel an der Stelle ihres ehemaligen Wohnhauses in der Jesuitengasse: das berühmte Bäslehäsle von Wolfgang Amadé, Maria Anna Thekla Mozart, die Tochter des Buchbinders Franz Aloys Mozart.  Sie allerdings wurde nicht für ihre Hilfstätigkeiten im väterlichen Betrieb, sondern als Korrespondentin berühmt – die Mails, die Wolferl ihr schrieb, sind dank seiner altertümlichen Technik fast alle erhalten geblieben.
Soviel zur Vorgeschichte des Bandes “Läden und Leute”, den der Wißner-Verlag Anfang November 2009 in der Neuen Stadtbücherei vorgestellt hat.
Michael Friedrichs am 13. 11. 2009