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Neuigkeiten von der Stadtarchäologie zur Grabung am Ernst-Reuter-Platz

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Seit Frühjahr 2006 waren auf dem Ernst-Reuter-Platz im Vorfeld des Neubaus der neuen Stadtbücherei immer wieder die Archäologen der Stadtarchäologie tätig und machten zahlreiche Entdeckungen. Im Sommer 2007 durften sie sich zum Beispiel über einen kleinen, aber außerordentlich wichtigen Fund freuen: ein silberner Ring mit der Inschrift: TETRAGRAMATON AGLA. Diese Worte sind Deckworte für den Namen Gottes – magische Worte – und sollten den Träger des Rings vor allen Gefahren des Daseins schützen. Der Ring wurde in der ausgehenden ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hergestellt. In diese Zeit datieren Schriftexperten die für die Inschrift verwendeten gotischen Majuskeln.

Mittlerweile sind einige weitere Geheimnisse des Rings gelüftet, der nun zusammen mit den wichtigsten Erläuterungen im Römischen Museum präsentiert wird. Gleichzeitig hat ein Augsburger Goldschmied eine Nachbildung des Rings in 950er-Silber angefertigt, der im Shop des Römischen Museums für 29 Euro erhältlich ist.

Die Neugestaltung des Ernst-Reuter-Platzes und damit auch die begleitenden archäologischen Grabungen stehen nun kurz vor ihrem Abschluss, eine archäologische Dokumentation wird in Kürze erscheinen und darin unter anderen die interessantesten Ergebnisse festgehalten. So stieß man im äußersten südwestlichen Bereich, am Eingang zum Stadtmarkt, auf die noch vorhandenen Fundamente und Keller der Rückgebäude des 1944 zerstörten Anna-Kollegs. Auch die Heizungsanlage des Gebäudes war dort untergebracht.

Zwischen den Kellern waren noch Siedlungsstrukturen aus römischer Zeit und dem Mittelalter erhalten. Am auffälligsten war jedoch eine große Grube aus der Römerzeit, in die man große Teile mehrerer Rinder entsorgt hat und deren Boden nach zweieinhalb Meter noch immer nicht erreicht war. Im Bereich der weiter nördlich verlaufenden Straße wurden unter dem Straßenbelag Latrinen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit lokalisiert, die sich auf der Rückseite der zur Annstraße hin orientierten Häuser befanden.

Ausgegraben wurden sie nicht, da in diesem Bereich nur der Fahrbahnbelag erneuert werden musste.

Horst Thieme am 12. 11. 2008

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