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WE-0007: Welt erinnern, weiter erzählen

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Frank und Caroline Mardaus präsentieren ihre “Werkeinheit-0007″

WE-0007_MardausZwei Menschen, zwei Perspektiven, eine Werkeinheit (kurz WE): Frank und Caroline Mardaus präsentieren vom 29. September bis 30. Oktober 2009 im Augsburger Stadtarchiv ihr gemeinsames Kunstwerk WE-0007 als genreübergreifende künstlerische Annäherung an eine komplexe Welt und deren Wahrnehmung. Dabei folgen sie der Erinnerung als schöpferischer Triebkraft und verbinden zwei künstlerische Ausdrucksformen, die Kunst der Fotografie und die der Erzählung. In ihrer Werkeinheit WE-0007 werden Gedächtnislandschaften freigelegt und Fragmente der Erinnerung verknüpft in neuem und fruchtbarem Material.

WE-0007 ist ein literarisch-fotografisches Gesamtkunstwerk, eine Registratur, in der Moment-aufnahmen aus den vergangenen 30 Jahren in Wort und Bild akribisch gesammelt und in ihren Bedeutungen verknüpft werden. Dem Betrachter präsentiert sich die WE-0007 als begehbarer Gedächtnisraum in Form einer Sammlung von Archivregalen, auf denen sich Archivkartons stapeln und zur Erkundung einladen. In jedem Karton sind große Ausdrucke von Fotoaufnahmen von Frank Mardaus sorgfältig abgelegt neben literarischen Textstücken aus der Feder von Caroline Mardaus.

Jedes Bild- und Textmotiv ist mit nüchtern und archivarisch formulierten Hinweisen auf thematisch anknüpfende Fotos oder Schriftstücke in dem Archiv versehen. Wer diesen Verweisen folgt, erschließt sich sukzessive eine sehr persönliche Enzyklopädie der Erinnerungen – eine Art analoges Wikipedia, das mit subjektiven Eindrücken gespeist ist, die die beiden Künstler über Jahrzehnte gesammelt und nun in ihren Zusammenhängen neu erfasst haben. Blatt für Blatt taucht man ein in eine Auswahl von dokumentarischen Aufnahmen aus dem mehr als 50.000 Motive umfassenden Archiv des Fotografen Frank Mardaus und öffnet Erinnerungswelten, die Caroline Mardaus in ihren Texten aus 20 Jahren schriftstellerischer Erschließung von Lebenswelten gesammelt hat. An der Werkeinheit des Künstlerpaares ist zu erkennen, wie das Leben selbst schöpferische Prozesse speist und wieder in neue mündet, die sich ihrerseits wieder zu anderen wandeln.

Jede Annäherung an dieses Archiv der Erinnerungen bleibt ebenso subjektiv und einzigartig, wie die Erfassung der Erinnerungen durch die beiden Künstler. Viele Aufnahmen und Erinnerungen wurden im Augsburger Raum gesammelt oder an Reisezielen, die man selbst vielleicht schon erkundet hat. Im Wiedererkennen werden sie eigene Erinnerungen im Gedächtnis der Betrachter wecken, die sich mit dem Gesehenen verknüpfen.

Je weiter man den in WE-0007 gelegten Fährten folgt, umso näher rückt man der eigenen Sicht auf die Welt. Die formal objektive Erfassung von Erinnerungen in einer Registratur gerät dabei irgendwann zum ironischen Versuch, die Subjektivität der menschlichen Wahrnehmung in strengen Regeln zu kontrollieren und in Schachteln zu packen. Mit jedem Archivkarton eröffnen sich neue Welten der künstlerischen und der eigenen Erinnerung. Zum Kunstwerk steht auch ein Blog im Internet, der das Prinzip von WE-0007 online erlebbar macht.
Ausgangspunkt für WE-0007 – das Fotoarchiv von Frank Mardaus

Diese gemeinsame Arbeit von Frank und Caroline Mardaus begann im Jahr 1998 mit den ersten Arbeiten, die Sehen und Erzählen behutsam in eins zu führen suchten. Basis dafür war das wortlose Erinnerungsarchiv der über 50.000 Fotografien von Frank Mardaus. Einbezogen wurde unter anderem die in Riga mit großem Erfolg gezeigte Schau „nachts“, oder verstörende, verführerische Sequenzen aus dem Zyklus „grün du böse farbe du“. Die dokumentarischen Fotografien von Frank Mardaus werden oft irritierend und provozierend wahrgenommen, entfaltet aber als „eine Schule des Sehens“ einen ganz eigenen Sog. In allen Aufnahmen spiegelt sich das ungestellte, das nackte Leben, ohne Pose, ohne Bildbearbeitung. “Ohne Löschtaste”, ungefiltert zeigt Frank Mardaus Leben in seiner Fragilität, Verletzlichkeit und Radikalität.

Verknüpfung der Erinnerungen – literarische Versatzstücke von Caroline Mardaus

Aus den Fotografien von Frank Mardaus entstanden wiederum in schöpferischer Umwandlung des Vorgefundenen literarische Versatzstücke, die sich neben den Fotografien in WE-0007 finden. Sie stammen unter anderem aus dem im Frühjahr 2010 erscheinenden Roman „Im Tintenfischgarten“ von Caroline Mardaus. Auszüge daraus wurden zweimal beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt durch Fürsprache von Michal Krüger, Hanser Verlag und der Jurorin Daniela Strigl zugelassen.

Wer entdeckt was?

Ein Aspekt kommt der Gegenwart jeden Betrachters entgegen: das Entdecken des eigenen Lebens als Material eines „Mythos“. Letztlich bedeutet das, dass man es mit der Endlichkeit aufnehmen will. Dies kann auf banale wie anspruchsvolle Weise geschehen: vom youtube-Video bis zum künstlerischen Werk. Daran also wäre nichts eigentlich Neues, es entspricht dem digitalen Zeitgeist. Die Radikalität aber, mit der das eigene Leben in WE-0007 als Basis verwendet, dabei aber in seinen schier unendlichen Verweisen und Zeichen belegbar aufgefächert und erst damit in Neues, Unbekanntes umgesetzt wird – das ist neu in der Bildenden Kunst.

Zu WE-0007 erscheint eine Publikation im Maro Verlag, Augsburg (ISBN 978-3-87512-431-6).

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29.09. – 30.10. 2009, Stadtarchiv Augsburg (Fuggerstr. 12, 86150 Augsburg)

FINDBUCH WE-0007

Eröffnung: Freitag, 25.09.2009 um 19 Uhr

geöffnet:  Di bis Do:  8.00 – 17.00 Uhr, Fr: 8.00 – 12.00 Uhr

Eintritt:   frei


Ursula Dietmair am 21. 08. 2009

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