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Zwangsarbeit 1939-1945: Interviews mit über 600 Zwangsarbeiter/Innen online

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Arbeitskarte“Zwangsarbeit 1939-1945″ bewahrt die Erinnerung an die über zwölf Millionen Menschen, die für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit geleistet haben. Knapp 600 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus 26 Ländern erzählen ihre Lebensgeschichte in ausführlichen Audio- und Video-Interviews. Einen Schwerpunkt bilden die Berichte ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Mittel- und Osteuropa. Die meisten Interviews fanden in der Ukraine (84), Polen (110) und Russland (70) statt. Etwa ein Drittel der Interviewten waren jüdische oder nichtjüdische „Sklavenarbeiter“ in Konzentrationslagern, dabei berichten 48 Roma über ihre Verfolgung. Zum Zeitpunkt der Interviews waren die Interviewten zwischen 65 und 98 Jahre alt. Die Interviews wurden digitalisiert und sind über eine Online-Plattform für Bildung und Wissenschaft verfügbar.

Zwangsarbeiterin Anna P.NS-Zwangsarbeit
1939-1945 wurden über zwölf Millionen Menschen nach Deutschland zur Sklaven- und Zwangsarbeit deportiert. Sie arbeiteten in Konzentrationslagern, für Unternehmen, in der Landwirtschaft, in privaten Haushalten, für Kirchen und öffentliche Verwaltungen. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Fritz Sauckel, wurde vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet. Auch als Reaktion darauf verbietet Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen. Im Ergebnis internationaler Verhandlungen und einer breiten gesellschaftlichen Debatte in Deutschland wurde 2000 die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gegründet, die von 2001-2006 4,4 Milliarden Euro an über 1,66 Mio. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auszahlte.

Das Online-Archiv „Zwangsarbeit 1939–1945“ will dazu beitragen, die Erinnerung an über zwölf Millionen Menschen, die für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit geleistet haben, dauerhaft zu bewahren. Es will die Erfahrungen ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der internationalen Forschung zugänglich machen und für die Bildungsarbeit aufbereiten.

Es ist die größte internationale Sammlung von Interviews mit ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeitern. In den Interviews erzählen sie nicht nur von ihrer Verfolgung, sondern berichten über ihr gesamtes Leben. Für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Polen, der ehemaligen Tschechoslowakei und der ehemaligen Sowjetunion („Ostarbeiter“) war es die erste große lebensgeschichtliche Befragung. Im Unterschied zu anderen Sammlungen sind alle Interviews verschriftlicht und online zugänglich.

Das Projekt „Zwangsarbeit 1939-1945“ ist eine Kooperation der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mit der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Historischen Museum. Zugang zum Portal können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Pädagogen, Journalisten und sonstige Interessierte erhalten: www.zwangsarbeit-archiv.de

Horst Thieme am 25. 01. 2009

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